Starker Juckreiz, Haut gerötet, Kruste und kahle Stellen

Guten Tag, meine 7 Jahre alte Labradorhündin leidet seit ca. 4 Monaten unter sehr starkem Juckreiz. Die Haut am Hals ist gerötet, auf der Haut am Rücken bildete sich zudem eine Kruste mit trockenen braunen Schüppchen – zudem löste sich in diesem Bereich die Unterwolle samt Haaren & Schuppen ab, so dass jetzt kahle Stellen zu sehen sind.

Meine Theorie: Kann es sein, daß es sich hier um Milben handelt? Die Hündin hat von klein auf -nur einseitig!- vermutlich Ohrmilben, die ich bisher mit Q-Tipp ausgeschabt habe. Der Juckreiz ist für alle Beteiligten unerträglich!!

Vielen Dank für Ihre Antwort.

Antwort von Dr. Christine Löwenstein

Christine Löwenstein mit Hund und KatzeEs gibt viele verschiedene Milbenarten, die bei Ihrer Hündin für Hautprobleme verantwortlich sein können. Ohrmilben fühlen sich im Ohr am wohlsten und breiten sich von hier nur ganz selten aus. Eine Ausbreitung von Ohrmilben auf den ganzen Körper habe ich noch nicht erlebt.

Die von Ihnen beschriebenen Hautveränderungen sind nicht typisch für eine ganz bestimmte Hauterkrankung, viele andere Dermatosen können genauso aussehen. Sie sollten einen Hauttierarzt aufsuchen, der den Fall systematisch aufarbeitet.

Immer wieder Ohrmilben

Mein Hund hat immer wieder Ohrmilben. Was kann ich dagegen tun?

Antwort von Dr. Christine Löwenstein

Christine Löwenstein mit Hund und KatzeMit „Ohrmilben“ oder „Ohrzwang“ wird von Tierbesitzern oft die Entzündung des äußeren Gehörganges bezeichnet. Diese geht meist mit Juckreiz, Kratzen und Schütteln des Kopfes einher. Bei jungen Tieren sind Ohrmilben in manchen Fällen die Ursache hierfür.

Diese Milben kann ich in der Praxis ganz schnell nachweisen und relativ einfach behandeln. Viel häufiger als Ohrmilben sind jedoch andere Krankheiten, wie z.B. Allergien, als Ursache für Juckreiz an den Ohren. Wie bei Ihrem Hund verschwindet zwar die Erkrankung nach Behandlung relativ schnell, kommt aber bald wieder. Nur wenn die Ursache abgeklärt wird, bekommt man die Ohrenentzündung auch auf Dauer in den Griff. Dazu sollte neben der symptomatischen Behandlung auch gleichzeitig die Diagnostik eingeleitet werden – möglichst bevor irreversible Schäden am Gehörgang entstanden sind.

Ohrmilben

Abb. 1: Ohrmilbe Otodectes cynotis

Abb. 1: Ohrmilbe Otodectes cynotis

Auch genannt: Ohrzwang, Otodectes cynotis

Was sind Ohrmilben?

Ohrmilben sind kleine Parasiten, die die Ohren von Katzen und Hunden besiedeln und sich dort vermehren (Abb.1). Manchmal befallen sie auch andere Tierarten, wie z.B. Frettchen und auch den Menschen. Die Milben ernähren sich von abgestorbenen Hautzellen und Körperflüssigkeiten und sie fühlen sich besonders im äußeren Gehörgang wohl. Hier sind sie Ursache für starke Entzündungssymptome, die sich als Ohrentzündung mit einem schwarz-braunen, bröckeligen Sekret zeigt (Abb. 2). Vom Ohr aus können sie sich in seltenen Fällen ausbreiten und einen stark juckenden Hautausschlag bewirken. Diese Milben sind hochgradig ansteckend und werden von Tier zu Tier durch direkten Kontakt übertragen. Der Befall mit Ohrmilben tritt in erster Linie bei Jungtieren auf.

Wie werden sie diagnostiziert?

Ohrmilben werden durch die mikroskopische Untersuchung von Ohrsekret nachgewiesen. Dazu wird mit einem Ohrtupfer Sekret entnommen, mit Paraffinöl vermengt und direkt mikroskopisch untersucht.

Wie werden sie behandelt?

Abb. 2: Ohrentzündung durch Ohrmilben

Abb. 2: Ohrentzündung durch Ohrmilben

Die Art der Behandlung von Ohrmilben hängt davon ab, wie schwer die Symptome sind. Häufig werden Ohrentropfen verschrieben, die auch den Juckreiz der befallenen Tiere lindern können. Ist sehr viel Sekret im Gehörgang vorhanden, kann eine gründliche Ohrreinigung notwendig sein. Die Milben werden durch Behandlung mit speziellen Ektoparasitika abgetötet. Gleichzeitig sollten alle Kontakttiere behandelt werden, egal ob sie Symptome zeigen oder nicht. Wirkstoffe, die zur Umgebungsdesinfektion bei Flohbefall eingesetzt werden, wirken auch gegen Ohrmilben. Die Milben können in der Umgebung drei Wochen und länger überleben.

Otitis (Ohrenentzündung)

Auch genannt: Ohrenentzündung, Ohrzwang, Ohrmilben, Entzündung des äußeren Gehörganges

Abb. 1: eitrige Otitis externa

Abb. 1: eitrige Otitis externa

Was ist Otitis?

Mit Otitis bezeichnet eine Entzündung der Haut der Ohrmuschel und des äußeren Gehörganges (Otitis externa). Eine entzündliche Reaktion am Gehörgang löst eine Kette von Veränderungen aus. Die Haut des Gehörganges verdickt sich und führt zu einer Einengung des Gehörganges. Das Mikroklima im Ohr und die Zusammensetzung des Ohrschmalzes verändern sich und schaffen ein geeignetes Umfeld für das Wachstum von Bakterien und Hefepilzen. Die normale Wanderung der Epithelzellen nach außen wird behindert und die Selbstreinigungmechanismen des Gehörganges vermindert. Durch Ansammlung von Ohr- und entzündlichem Sekret wird der Gehörgang schließlich verlegt und die Behandlung mit Ohrentropfen erschwert, bzw. unmöglich gemacht.

Wie sieht Otitis aus?

Abb. 2: chronische Otitis externa

Abb. 2: chronische Otitis externa

Das erste sichtbare Symptom ist meist eine Rötung der Haut an der Innenseite der Ohrmuschel und des äußeren Gehörganges. Die Haut erscheint rauh, es bilden sich Schuppen oder Krusten. An der Innenseite des Gehörganges sammelt sich braunes, schwarz-braunes oder gelbliches Sekret an.

Symptome von Otitis sind Juckreiz, Schmerzen, Kopfschütteln, Ansammlung von Ohrsekret an der Ohrmuschel, vermehrter Geruch und in chronischen Fällen Kopfschiefhaltung oder Gleichgewichtsprobleme.

Wodurch wird Otitis hervorgerufen?

Wiederkehrende Otitis ist zumeist ein multifaktorielles Geschehen. Ein erhöhtes Risiko entsteht durch prädisponierende Faktoren wie z.B. anatomische Anomalien, vermehrte Ohrschmalzbildung und stark behaarte Gehörgänge. Diese Veränderungen allein reichen jedoch nicht aus, eine Erkrankung hervorzurufen, können aber zu einer verzögerten Heilung und zu Rückfällen beitragen.

Abb. 3: Verlegung des Gehörganges

Abb. 3: Verlegung des Gehörganges

Primäre Ursachen sind Ursachen, die allein ausreichend sind, Ohrerkrankungen hervorzurufen. Hierzu gehören u.a. Parasiten (Ohr-, Sarkoptes-, Demodex- oder Notoedres-Milben), Fremdkörper (Grannen) oder Autoimmunerkrankungen. Die häufigste Ursache für wiederkehrende Gehörgangsentzündungen sind Allergien (Atopie, Futtermittelallergie, Kontaktallergie).

Kommt es zu entzündlichen Veränderungen, kommen die sekundären Ursachen ins Spiel: Infektionen mit Bakterien oder Hefepilzen profitieren von den veränderten Milieu, vermehren sich und verschlimmern die Symptome.
Bei chronischen Erkrankungsfällen gewinnen die perpetuierenden (aufrechterhaltenden) Faktoren an Bedeutung: sie behindern die Heilung. Dazu gehören die Verdickung der Haut, die vermehrte Bindegewebsbildung, Behinderung der Selbstreinigungsmechanismen, Vergrößerung der Ohrschmalzdrüsen und letztendlich Verlegung des Gehörganges.

Wie wird Otitis diagnostiziert?

Abb. 4: zytologische Untersuchung: bakterielle Infektion

Abb. 4: zytologische Untersuchung: bakterielle Infektion

Die Diagnose wird durch die klinische Untersuchung aufgrund der typischen Symptome gestellt. Durch die mikroskopische Untersuchung des entzündlichen Sekrets sind wir in der Lage, Typ und Anzahl der vorhandenen Organismen (Bakterien und / oder Hefen) zu bestimmen und eine gezielte Behandlung einzuleiten, bzw. deren Heilungsverlauf zu kontrollieren. Die Behandlung der Sekundärinfektionen verschafft dem Tier zwar Erleichterung bezüglich Juckreiz und Schmerz, löst jedoch das Problem nicht auf Dauer. Erst wenn die Ursachen diagnostiziert und unter Kontrolle gebracht werden, kann ein Wiederauftreten der Ohrerkrankungen dauerhaft vermieden werden. So macht die Therapie mit Ohrentropfen bei einer allergischen Grunderkrankung nur Sinn, wenn gleichzeitig die Suche nach den auslösenden Allergenen mittels Allergietest und Eliminationsdiät eingeleitet wird.

Wie wird Otitis behandelt?

Abb. 5: zytologische Untersuchung: Hefepilz-Sekundärinfektion

Abb. 5: zytologische Untersuchung: Hefepilz-Sekundärinfektion

Der Abstrich und die zytologische Untersuchung des Ohrsekrets kann sofort in der Praxis durchgeführt werden. Das Ergebnis liegt nach ca.15 Minuten vor. Aufgrund dieser Befunde wird die symptomatische Therapie zur Behandlung von Entzündung, Juckreiz und bakterieller oder Hefepilz-Sekundärinfektion z.B. mit entsprechenden Ohrentropfen eingeleitet. Eine symptomatische Therapie ohne Ursachenforschung wird jedoch auf Dauer nicht erfolgreich sein. Nur die Suche nach den primären Ursachen kann das Problem dauerhaft lösen.