Sebadenitis

Auch genannt: Granulomatöse Sebadenitis

Abb. 1: Sebadenitis: Schuppenbildung

Abb. 1: Sebadenitis: Schuppenbildung

Was ist Sebadenitis?

Die Sebadenitis ist eine Erkrankung der Talgdrüsen der Haut, die bei Hunden und ganz selten auch bei Katzen zu finden ist. Die Ursachen dieser Erkrankung sind ungeklärt. Folgende Hypothesen werden diskutiert:

  • Genetische Entwicklungsstörung der Talgdrüsen
  • Autoimmun-bedingte Zerstörung der Talgdrüsen
  • Störung des Stoffwechsels der Hautfette

Grundsätzlich kann diese Erkrankung bei allen Hunderassen beobachtet werden, besonders häufig zeigt sie diese Erkrankung bei Groß-Pudeln, Vizslas, Akita Inu und Samojeden. Die Erkrankung bricht bei jungen erwachsenen Tieren aus. Da eine vererbliche Komponente möglich ist, sollten Tiere mit Sebadenitis von der Zucht ausgeschlossen werden.

Wie sieht Sebadenitis aus?

Abb. 2: Sebadenitis: festhaftende Beläge

Abb. 2: Sebadenitis: festhaftende Beläge

Schuppen, Haarbruch und Haarausfall sind die wichtigsten Anzeichen. Die Haut am ganzen Körper kann betroffen sein, offensichtlich sind die Veränderungen jedoch meistens im Bereich des Rückens (Abb. 1). Bei manchen Tieren fallen fettige, gelblich-braune Materialien auf, die kleine Büschel von Haaren zusammenkleben (Abb. 2 und 3). Juckreiz zeigt sich erst nach Ausbildung von Sekundärinfektionen. Obwohl die Erkrankung die Schönheit des Haarkleides beeinträchtigt, bleibt die Allgemeingesundheit meist unberührt.

Wie wird sie diagnostiziert?

Gerade im Anfangsstadium können viele andere Erkrankungen ähnlich aussehen. Diese müssen durch entsprechende Untersuchungen ausgeschlossen werden. Die endgültige Diagnose wird durch die histologische Untersuchung von Hautbiopsien gestellt.

Wie wird sie behandelt?

Abb. 3: Sebadenitis: verklebte Haarbüschel

Abb. 3: Sebadenitis: verklebte Haarbüschel

Bei milden Formen dieser Erkrankung kommen spezielle schuppenlösende, feuchtigkeitsspendenden und rückfettende Shampoos oder Spülungen zum Einsatz.

Auch die Gabe von essentiellen Fettsäuren kann in einigen Fällen eine positive Wirkung haben. Bei stärkeren Erkrankungen kombiniert man die lokale Therapie mit Medikamenten, die die Hautbildung normalisieren oder die stark entzündliche Reaktionen kontrollieren. Zeigen diese Medikamente eine gute Wirkung wird die Behandlung lebenslang durchgeführt werden müssen.

Seborrhoe

Auch genannt: Primäre idiopathische Seborrhoe, Seborrhoeische Dermatitis

Abb. 1: Schuppenbildung bei primärer Seborrhoe

Abb. 1: Schuppenbildung bei primärer Seborrhoe

Was ist Seborrhoe?

Die primäre idiopathische Seborrhoe gehört zu den vererblichen Hautbildungsstörungen bei Hund und sehr selten auch bei der Katze. Da sie erblich bedingt ist, zeigen befallene Tiere schon im Welpenalter die ersten klinischen Symptome, die sich mit zunehmendem Alter verstärken und oft durch bakterielle Sekundärinfektionen kompliziert werden. Am häufigsten sind Cocker Spaniel, West Highland White Terrier, Englische Springer Spaniel, Basset Hounds, Englische Setter und Labrador Retriever betroffen.

Bei Cocker Spaniel konnte man durch Studien nachweisen, dass die Hautneubildung viel schneller abläuft als bei gesunden Hunden. Neue Hautzellen werden bei diesen Tieren innerhalb von 8 Tagen anstatt innerhalb von 21 Tagen gebildet. Die Talgdrüsen bilden vermehrt Hautfette, was zu fettiger Haut, fettigem Haarkleid und Ansammlung von Ohrschmalz in den äußeren Gehörgängen führt.

Sie ist keine Erkrankung, die von Anfang juckend ist, doch können Sekundärinfektionen mit Bakterien oder Hefepilzen starkem Juckreiz hervorrufen.

Abb. 2: festhaftende Krusten bei primärer Seborrhoe

Abb. 2: festhaftende Krusten bei primärer Seborrhoe

Neben dieser vererblichen primären idiopathischen Seborrhoe gibt es die sekundäre Seborrhoe. Diese Form ist eine Folgeerkrankung und tritt im Zusammenhang mit vielen anderen entzündlichen Erkrankungen, wie z.B. Allergien oder auch hormonellen Erkrankungen auf. Wird die Grunderkrankung diagnostiziert und erfolgreich behandelt, verschwindet die sekundäre Seborrhoe wieder.

Wie sieht Seborrhoe aus?

Schuppenbildung ist das Hauptsymptom der Seborrhoe; diese können als trockene (Abb. 1 und 3) oder fettige Schuppen in Erscheinung treten, wie auch die Hautoberfläche eher trocken oder mehr fettig sein kann. Das Haarkleid kann stumpf und spröde oder fettig-ölig sein. In manchen Fällen schilfern die Hautzellen nicht ab und man sieht bräunliche Krusten auf der Hautoberfläche (Abb. 2). Viele Tiere haben einen starken Körpergeruch.

Wie wird sie diagnostiziert?

Seborrhoe ist eine Diagnose, die sich aus den Symptomen und der Krankengeschichte des Patienten ergibt. Wird eine primäre Seborrhoe vermutet, sollten Hautbiopsien genommen werden. Ist eine sekundäre Seborrhoe wahrscheinlich, sollte die Suche nach der Grunderkrankung mittels spezieller Blutuntersuchungen, Allergiediagnostik oder Hormontests eingeleitet werden.

Wie wird sie behandelt?

Abb. 3: Schuppenbildung bei sekundärer Seborrhoe

Abb. 3: Schuppenbildung bei sekundärer Seborrhoe

Die primäre Seborrhoe ist nicht heilbar und erfordert lebenslange, symptomatische Behandlung. Mit speziellen Shampoos versucht man, ein normales Hautbild und Haarkleid wieder herzustellen. Je nachdem, welche Veränderungen vorliegen, kommen entfettende, feuchtigkeitsspendende, schuppenlösende oder/und antimikrobielle Shampoos zum Einsatz. Mit Medikamenten in Tablettenform versucht man, die vermehrte Bildung von Hautzellen zu reduzieren und den Hautzellen die Möglichkeit zu langsamer Reifung zu geben.

Die sekundäre Seborrhoe behandelt man am besten, indem man die zugrunde liegende Erkrankung diagnostiziert und behandelt. Wenn z.B. ein Hund diese Erkrankung aufgrund einer Schilddrüsenunterfunktion entwickelt, bekommt er Schilddrüsenhormone, um wieder ein normales Hautbild und Haarkleid herzustellen. Eine Shampoobehandlung kann diesen Prozess deutlich unterstützen und beschleunigen.

In jedem Fall muss durch eine zytologische Untersuchung das Vorhandensein von Sekundärinfektionen mit Bakterien oder Hefepilzen abgeklärt werden, um eine entsprechende Behandlung einleiten zu können.

Herbstgrasmilben

Auch: Grasmilben, Erntemilben

Abb. 1: Herbstgrasmilben im mikroskopischen Präparat

Abb. 1: Herbstgrasmilben im mikroskopischen Präparat

Was sind Herbstgrasmilben?

Die Herbstgrasmilbe ist ein etwa stecknadelkopfgroßer Parasit; die erwachsenen Tiere ernähren sich von Pflanzematerial, die Larven befallen Menschen und Tiere und ernähren sich von Gewebsflüssigkeit. Der Befall tritt in Süddeutschland in den Monaten Juli bis Oktober auf.

Wie sieht ein Befall mit diesen Milben aus?

Die orangefarbene Milbe (Abb.1) befällt jene Körperregionen, die Kontakt mit dem Boden und niedrigen Gräsern haben: Pfoten, untere Gliedmaßen, Kopf und Bauch (Abb. 2 und 3). Der Biss dieser Milbe löst eine kleine insektenstichähnliche Rötung und Hautverdickung aus, manchmal sieht man eine gelbrote Kruste auf der Haut, die aus einer Ansammlung der Parasiten besteht. Viele Tiere reagieren allergisch auf den Biss der Milben und zeigen einen starken Juckreiz, durch den es zu Haarverlust und Hautreizungen kommen kann. Dieser Juckreiz kann auch noch anhalten, wenn die Milben den Wirt schon verlassen haben.

Abb. 2: Herbstgrasmilben an den Pfoten

Abb. 2: Herbstgrasmilben an den Pfoten

Wie werden sie diagnostiziert?

Wiederkehrender Juckreiz im Spätsommer im Bereich der Lieblingslokalisationen der Herbstgrasmilben und typische Veränderungen sind hinweisend. Die Verdachtsdiagnose wird durch den Nachweis der Parasiten bestätigt. Die Milben treten oft in Gruppen auf und sind dann schon mit bloßem Auge sichtbar. Nimmt man Hautgeschabsel von veränderten Bereichen, kann man die Milben im Mikroskop relativ einfach nachweisen.

Was kann man zur Vorbeuge tun?

Herbstgrasmilben können durch viele Antiparasitika abgetötet werden. Neben der Behandlung der Milben müssen jedoch bei einigen Tieren auch Medikamente zur Bekämpfung des Juckreizes eingesetzt werden, da diese Tiere sich selbst oft sehr starke Hautverletzungen zufügen.

Abb. 3: Herbstgrasmilben an den Ohren

Abb. 3: Herbstgrasmilben an den Ohren

Futtermittelallergie

Abb. 1: Pododermatitis durch Futtermittelallergie

Abb. 1: Pododermatitis durch Futtermittelallergie

Was ist Futtermittelallergie?

Hunde und Katzen können allergisch auf Futtermittelbestandteile reagieren. Die Futtermittelallergie ist für ca. 1-5% aller Hauterkrankungen beim Hund und für ungefähr 10% aller allergischen Dermatosen ohne Flohbissallergien verantwortlich. Es bestehen keine Rasse- oder Geschlechtsdispositionen. Futtermittelallergien können schon mit 6 Monaten, aber auch in fortgeschrittenem Alter auftreten. Für die Entwicklung dieser Erkrankungen ist die mehrfache Aufnahme des Allergens Voraussetzung, die so genannte Sensibilisierungsphase. Auch können Tiere jahrelang ein Futter aufgenommen haben, bevor sie eine klinisch sichtbare Allergie entwickeln. 25% der Futtermittelallergiker leiden zusätzlich noch an einer Atopie oder Flohbissallergie.

Abb. 2: „Elefantenhaut“ durch Futtermittelallergie

Abb. 2: „Elefantenhaut“ durch Futtermittelallergie

80% der Hunde reagieren auf 1 oder 2 Futtermittelbestandteile allergisch, nur ca. 20% auf 3 bis 5 verschiedene Komponenten. Rindfleisch und Milchprodukte gehören beim Hund zu den häufigsten Allergenen, gefolgt von Schweinefleisch, Hühnerfleisch, Soja, Eier und Fisch.

Wie sieht eine Futtermittelallergie aus?

85-90% der Tiere zeigen Hautsymptome und von diesen haben etwa 10-15% Magen-Darm-Probleme, wie z.B. Durchfall und Erbrechen. Das wichtigste dermatologische Zeichen beim Hund ist Juckreiz an den Pfoten, in den Achseln, in der Leiste und um die Augen (Abb. 1-3). 25% der Tiere mit

Futtermittelallergien haben als einziges klinisches Symptom Juckreiz an den Ohren und wiederkehrende Ohrenentzündungen (Abb. 4). Bei der Katze zeigen sich die Anzeichen einer Futtermittelallergie meist an Kopf, Ohren und im Bereich des Halses (Abb. 5). Auch Läsionen des Eosinophilen-Granulom-Komplexes inform von eosinophilen Plaques und Granulomen sind zu beobachten.

Abb. 3: Futtermittelallergie: Veränderungen durch Juckreiz im Gesicht

Abb. 3: Futtermittelallergie: Veränderungen durch Juckreiz im Gesicht

Durch allergiebedingten Juckreiz kommt es zu Haarverlust, Hautverletzungen, Schuppen- und Krustenbildung. Die geschädigte Haut kann sich sekundär bakteriell infizieren, was zu einer weiteren Verstärkung des Juckreizes führt.

Wie wird Futtermittelallergie diagnostiziert?

Um eine Futtermittelallergie mit einer relativen Sicherheit zu diagnostizieren, muss eine Eliminationsdiät über eine Dauer von 6-10 Wochen durchgeführt werden. Leider ist eine Diät mit einer kürzeren Dauer nicht aussagefähig, da nur ca. 25% der Tiere in den ersten 3 Wochen eine Verbesserung der Symptome zeigen, einige brauchen bis zu 10 Wochen und mehr. Zur Durchführung der Diät sollte nur eine Fleischsorte und eine Kohlehydratsorte gefüttert werden. Wichtig ist, dass die Tiere das Fleisch nach Möglichkeit vorher noch nie gefressen haben. Da die meisten handelsüblichen Dosenfutter nicht deklarieren, welche Fleischsorten sie enthalten, sind diese zur Durchführung von diagnostischen Diäten nicht geeignet.

Abb. 4: Futtermittelallergie: chronische Ohrenentzündungen

Abb. 4: Futtermittelallergie: chronische Ohrenentzündungen

Bei alleinigen Futtermittelallergikern verschwindet der Juckreiz nach einer Eliminationsdiät vollständig. Die Diagnose gilt aber erst dann als bestätigt, wenn Juckreiz nach Verfütterung des alten Futters innerhalb von maximal 14 Tagen hervorzurufen ist (Provokationstest). Durch einen positiven Provokationstest kann die Diagnose Futtermittelallergie gestellt werden, die Identifikation der auslösenden Allergene erfolgt in einem weiteren Schritt.
Von anderen Testverfahren zur Diagnose von Futtermittelallergie, wie z.B. Bluttests, Hautallergietests oder gastroskopische Futtermitteltests wird aufgrund der geringen Zuverlässigkeit oder schwierigen Durchführbarkeit abgeraten.

Lamm und Reis, die optimale Allergiediät?

Viele Tierbesitzer geben Lamm und Reis, wenn ihr Tier Hautprobleme hat. Dies hängt damit zusammen, dass in früheren Jahren Dermatologen Lamm und Reis als Ausschlussdiät empfohlen haben.

Abb. 5: Futtermittelallergie: chronischer Juckreiz im Kopf-Halsbereich

Abb. 5: Futtermittelallergie: chronischer Juckreiz im Kopf-Halsbereich

Zu dieser Zeit wurde Lammfleisch nur selten für Tierfuttermittel verwandt, heutzutage ist es ein nicht mehr seltener Bestandteil von Hundefuttern. Deshalb ist es für die Durchführung einer Ausschlussdiät nicht mehr geeignet.

Akne

Was ist Akne?

Akne ist eine Erkrankung, die bei Hund und Katze recht häufig zu finden ist.

Akne bei Katzen

Was sind die Ursachen von Katzenakne?

Abb. 1: Akne bei der Katze

Abb. 1: Akne bei der Katze

Die Ursachen der Katzenakne sind unbekannt. Es werden verschiedene Faktoren diskutiert, die eine Rolle spielen: vermehrte Talgproduktion, veränderte Talgzusammensetzung, Stress, Immunsuppression und Virusinfektionen. Bei Katzen kann Akne in jedem Alter auftreten.

Wie sieht Katzenakne aus?

Zu Beginn der Erkrankung sieht man am Kinn kleine schwarze Pünktchen (Komedonen, Mitesser) (Abb. 1). Diese kleinen Krüstchen verkleben mit den Haaren und lassen sich oft nur zusammen mit den Haaren entfernen. Im Anfangsstadium der Krankheit beeinträchtigt Akne das Wohlbefinden der Katzen nicht. Im späteren Verlauf kommt bei einigen Tieren jedoch eine Entzündung mit Bakterien und Hefepilzen hinzu. Dadurch bilden sich knotige Verdickungen, die tief bis in die Unterhaut reichen können: die Haut wird rot und schwillt an. Zu diesem Zeitpunkt zeigen Katzen mit Kinnakne Juckreiz oder auch Schmerzen bei Berührung. Manche Katzen haben dauerhafte Probleme, bei anderen Tieren kommt und geht die Erkrankung, ohne dass man Ursachen dafür erkennen kann.

Wie wird Katzenakne diagnostiziert?

Die klinische Verdachtsdiagnose wird nach Ausschluss ähnlicher Erkrankungen durch die histologische Untersuchung von Hautbiopsien bestätigt.

Wie wird Katzenakne behandelt?

Solange sich die Erkrankung im Frühstadium befindet und nur Mitesser (Komedonen) vorhanden sind, wird man die veränderten Bereiche mit talglösenden, reinigenden Medikamenten lokal behandeln. Kommt es zu Sekundärinfektionen werden diese mit entsprechenden Medikamenten in Tabletten- oder Salbenform behandelt. Auch scheinen ungesättigte Fettsäuren eine positive Wirkung zu haben.

Akne bei Hunden

Abb. 2: Akne beim Hund

Abb. 2: Akne beim Hund

Bei Hunden bezeichnet man mit Kinnakne ein chronisch-entzündliches Geschehen, wobei besonders junge Tiere kurzhaariger Rassen wie z. B. Boxer, Bulldoggen oder Deutsche Doggen betroffen sind. Trauma durch Verletzung führt zu bakteriellen Infektionen der Haarbälge und in schweren Fällen zu Furunkelbildung (Abb. 2). Manche Hunde brauchen Antibiotika in Tablettenform, manche Tiere reagieren gut auf die tägliche Behandlung mit speziellen medizinischen Shampoos oder Salben. Manchmal ist der Einsatz von entzündungshemmenden Medikamenten angezeigt, um starke Reaktionen, wie z.B. Narbenbildung zu verhindern.

Epitheliotropes Lymphom

Auch genannt: Mycosis fungoides

Was ein epitheliotropes Lymphom ?

Das epitheliotrope Lymphom (EL) ist eine tumoröse Vermehrung von Lymphozyten (weißen Blutkörperchen) in der Haut und tritt überwiegend bei älteren Tieren auf. Airedale Terrier, Pudel und Cocker Spaniel scheinen eine besondere Veranlagung für diese Erkrankung zu haben. Die mittlere Lebenserwartung nach Diagnose beträgt ca. 7 Monate.

Abb. 1: Hautrötung und Schuppen

Abb. 1: Hautrötung und Schuppen

Wie sieht ein epitheliotropes Lymphom aus?

Das klinische Bild von EL kann sehr vielfältig sein. Unspezifische Zeichen wie Haarverlust, Hautrötung und Bildung von Schuppen und Krusten (Abb.1) bleiben wegen des dichten Fells oft lange Zeit unbemerkt. Auch verläuft die Erkrankung manchmal in Wellen mit zeitweiser Rückbildung der Veränderungen und darauf folgender schubartiger Verstärkung der Symptome. Es können sich geschwürige Veränderungen im Bereich der Schleimhäute von Mund, Augen und Nase (Abb.2) sowie Pigmentverlust am Nasenspiegel (Abb. 3) entwickeln. Manche Tiere zeigen einen starken, andere überhaupt keinen Juckreiz.

Abb. 2: Schleimhautgeschwüre

Abb. 2: Schleimhautgeschwüre

Wie wird ein epitheliotropes Lymphom diagnostiziert?

Die oben beschriebenen Veränderungen sind recht unspezifisch und können auch bei vielen anderen Erkrankungen auftreten. Besteht der Verdacht auf EL sollten Hautproben entnommen und zur histologischen Untersuchung eingesandt werden.

Wie wird ein epitheliotropes Lymphom behandelt?

Für das epitheliotrope Lymphom gibt es zurzeit keine Heilung. Durch entsprechende Medikamente besteht die Möglichkeit, die Symptome und die Lebensqualität zu verbessern. Eine Verlängerung der Lebensspanne kann man damit nicht erreichen.

Abb. 3: Pigmentverlust an Nase und Lefzen

Abb. 3: Pigmentverlust an Nase und Lefzen

Akrale Leckdermatitis

Auch genannt: Leckgranulom

Was ist Akrale Leckdermatitis?

Die Akrale Leckdermatitis ist eine Hauterkrankung, die man gelegentlich bei Hunden sieht. Der Name dieser Erkrankung leitet sich von dem Ort ihres Auftretens (akral heißt im unteren Bereich der Gliedmaßen) und der Ursache der Erkrankung (Lecken) ab. Betroffene Hunde lecken nur an dieser einen Stelle und das häufig mehrere Stunden am Tag. Dadurch entstehen haarlose, verdickte Hautbezirke, der sich schwarz verfärben (Abb. 1).

Abb. 1: Akrale Leckdermatitis

Abb. 1: Akrale Leckdermatitis

Wodurch sind Akrale Leckdermatitiden bedingt?

Viele Faktoren können zu der Entwicklung eines Leckgranuloms beitragen. Wenn einmal solch eine Veränderung entstanden ist, bildet sie einen permanenten Reiz zu weiterem Lecken und so erhält sich die Erkrankung von alleine aufrecht. Das Lecken wird zu einer Gewohnheit, auch wenn die auslösenden Faktoren u.U. nicht mehr vorhanden sind.

Mögliche auslösende Faktoren sind:

  • Juckende Hauterkrankungen wie z.B. Allergien
  • Schmerzende Prozesse an Gelenken oder Knochen
  • Langeweile bei sehr energiegeladenen Hunden
  • Stress bei nervösen Hunden
  • Zwanghaftes Lecken im Sinne einer Verhaltenserkrankung

Wie werden Leckgranulome diagnostiziert?

Durch Hautgeschabsel wird man versuchen, eine lokalisierte Demodikose (Erkrankung mit Demodexmilben) auszuschließen. Mit einer zytologischen Untersuchung sollte das Vorhandensein einer Sekundärinfektion mit Bakterien oder Hefepilzen abzuklären. Bei manchen Tieren können Hautbiopsien, Bakterienkulturen oder auch Röntgenaufnahmen indiziert sein. Leider ist es nicht immer möglich, die auslösenden Faktoren im Nachhinein zu rekonstruieren.

Wie werden Leckgranulome behandelt?

Liegt eine Sekundärinfektion vor, muss diese als erstes behandelt werden. Da es sich oft um chronische Erkrankungen mit tiefen entzündlichen Reaktionen handelt, kann dies oft Wochen und Monate dauern. Gleichzeitig sollten die Suche nach den Ursachen eingeleitet werden.

Mögliche Behandlungsoptionen sind:

  • Antibiotika in Tabletten- oder Salbenformen zur Behandlung der Infektion
  • Entzündungshemmende Medikamente als Tabletten, Salben oder Injektionen zur Verminderung des Juckreizes
  • Spezielle Stoffe zur Verhinderung des Leckens
  • Halskrausen oder Verbände
  • Medikamente zur Beeinflussung des Verhaltens
  • Verhaltensmaßnahmen, wie vermehrtes Spazierengehen und Spielen mit dem Tier, Anschaffung eines weiteren Hundes
  • Verhaltenstherapie

Jeder Hund ist einzigartig und bedarf deshalb einer maßgeschneiderten Therapie, jedoch kann die Erkrankung bei den meisten Hunden kontrolliert werden.

Hypothyreose

Auch genannt: Schilddrüsenunterfunktion, Hypothyreoidismus

Abb. 1: Hypothyreose schütteres Haarkleid

Abb. 1: Hypothyreose schütteres Haarkleid

Was ist Hypothyreose?

Die Schilddrüsenunterfunktion ist eine der häufigsten Hormonerkrankungen beim Hund. Hervorgerufen wird sie durch einen langsam fortschreitenden Funktionsverlust der Schilddrüse. Die Schilddrüse ist der Ort für die Herstellung und Bevorratung von Schilddrüsenhormonen. Diese Hormone sind unverzichtbar für viele normale Funktionen des Körpers. Schilddrüsenhormone erhöhen den Grundumsatz und die Aktivität des Organismus. Wir wissen nicht, was für die Störung der Schilddrüse verantwortlich ist, viele Dermatologen gehen von einer autoimmun bedingten Zerstörung von Schilddrüsengewebe aus.

Welche Symptome sind Hinweise für Schilddrüsenerkrankungen?

Da Schilddrüsenhormone bei so vielen Körperfunktionen wichtig sind, können hypothyreote Hunde ein oder mehrere Symptome zeigen. Viele Hunde werden einfach ruhiger, mögen nicht mehr so lange spazieren gehen oder spielen. In manchen Fällen schlafen sie während eines großen Teils des Tages. Dies wird oft als normaler Alterungsprozess interpretiert und nicht als Symptom einer Erkrankung wahrgenommen. Hunde mit Schilddrüsenunterfunktion bevorzugen warme Plätze. Einige Hunde zeigen Gewichtszunahme, ohne mehr zu essen. Hunde mit Hypothyreose haben oft Hautprobleme. Diese können sich als wiederkehrende bakterielle Infektionen, trockene Haut, sprödes, glanzloses Fell, Haarbruch, Haarausfall und Schwarzverfärbung der Haut äußern (Abb. 1-3).

Abb. 2: Hypothyreose schütteres Haarkleid

Abb. 2: Hypothyreose schütteres Haarkleid

Wie wird Hypothyreose diagnostiziert?

Die Diagnose der Hypothyreose basiert auf den klinischen Anzeichen und den Ergebnissen von speziellen Blutuntersuchungen. Das Schilddrüsenhormon unterliegt starken tageszeitlichen Schwankungen und wird durch viele Medikamente und auch durch andere Krankheiten beeinflusst. Erniedrigte Werte sind nicht automatisch gleichbedeutend mit einer Schilddrüsenunterfunktion und sollten durch weitere Werte ergänzt werden, bevor eine überflüssige Behandlung mit Hormonen eingeleitet wird.

Wie wird sie behandelt?

Die Hypothyreose wird durch die tägliche Gabe von Tabletten mit Schilddrüsenhormonen behandelt. Die Menge der verabreichten Hormone orientiert sich am Körpergewicht des Hundes, ist jedoch bei jedem Hund ganz unterschiedlich. Deshalb kontrollieren wir den Blutspiegel nach ungefähr 4 bis 6 Wochen. Nur so kann man sicher sein, dass genug Medikament gegeben und das Medikament nicht überdosiert wird. Die Probenentnahme sollte ca. 4-6 Stunden nach Tablettengabe erfolgen.

Abb. 3: Hypothyreose Schwarzverfärbung der Haut

Abb. 3: Hypothyreose Schwarzverfärbung der Haut

Zeichen von Überdosierung sind Hecheln, Ruhelosigkeit und vermehrter Urinabsatz. Die Hypothyreose ist nicht heilbar und Schilddrüsenmedikamente müssen lebenslang gegeben werden. Unter Therapie verbessert sich das Allgemeinbefinden, verschwinden die Hautveränderungen und wachsen die Haare nach. Ist dies nicht der Fall, sollte die Diagnose überdacht werden.

Hunde mit Hypothyreose haben eine normale Lebenserwartung und können bei guter Lebensqualität noch lange leben, solange der Blutgehalt an Schilddrüsenhormone gut eingestellt ist.

Atopische Dermatitis

Auch genannt: Atopie, Pollenallergie, Allergie

Abb. 1: Hund mit Juckreiz

Abb. 1: Hund mit Juckreiz

Was ist Atopie?

Die Atopie ist eine Überempfindlichkeitsreaktion aufgrund einer erblichen Veranlagung. Harmlose Umweltsubstanzen wie z.B. Pollen, Schimmel oder Hausstaub führen bei entsprechender Disposition zu einer überschießenden und unangemessenen Antikörperbildung, die eine massive Entzündungsreaktion der Haut nach sich zieht. Atopie ist eine der häufigsten Ursache von chronischem Juckreiz bei Hunden und einer der häufigsten Vorstellungsgründe in der dermatologischen Praxis.

Welches sind die Symptome einer Atopie?

Das wichtigste Symptom einer Atopie ist Juckreiz (Abb. 1). Hierbei sind besonders Gesicht, Zwischenzehenbereich, untere Gliedmaßen, Leisten und Innenseiten der Ohrmuscheln betroffen (Abb. 2-5). Die Haut zeigt Rötung, vermehrte Wärme, Schuppenbildung, Verdickung und in chronischen Fällen Schwarzverfärbung. Durch permanentes Kratzen, Reiben oder Knabbern brechen die Haare ab oder fallen aus. Oft sind wiederkehrende Ohrerkrankungen und Pfotenentzündungen erstes und alleiniges Zeichen einer allergischen Erkrankung. Bei ca. 70% der Hunde tritt die Atopie zum ersten Mal im Alter von 1-3 Jahren in Erscheinung.

Abb. 2: Juckreiz im Gesicht

Abb. 2: Juckreiz im Gesicht

Was haben Hautinfektionen mit einer Atopie zu tun?

Allergische Hunde empfinden einen starken Juckreiz; diesen versuchen sie durch Kratzen, Reiben oder Knabbern zu lindern. Hierdurch wird die Haut verletzt und es können auch auf normaler Haut vorhandene Bakterien oder Hefepilze in die Haut eindringen und Entzündungsreaktionen hervorrufen, die wiederum den Juckreiz verstärken. Dadurch kratzen die Hunde vermehrt, verstärken die Hautinfektion .….. ein Teufelskreis, der durch konsequente Behandlung mit Antibiotika oder Antipilzmitteln unterbrochen werden muss.

Wie wird eine Atopie diagnostiziert?

Die Diagnose basiert auf der Krankengeschichte, der klinischen Untersuchung und auf dem Ausschluss anderer Erkrankungen, die ein

Abb. 3: Hefepilzinfektion an den Pfoten

Abb. 3: Hefepilzinfektion an den Pfoten

ähnliches Erscheinungsbild haben. Dies können z.B. Ektoparasiten oder Futtermittelallergien sein.

Die Diagnose einer Atopie wird also in erster Linie aufgrund der typischen Symptome und durch Ausschluss anderer Erkrankungen gestellt. Einen Allergietest braucht man dazu nicht. Dieser kommt erst dann zum Einsatz, wenn man die auslösenden Allergene identifizieren will, um die Allergenbelastung gezielt zu reduzieren oder eine Hyposensibilisierung durchzuführen. Viele Veterinärdermatologen bevorzugen den Hautallergietest, der ähnlich wie der Pricktest in der Humanmedizin durchgeführt wird. Hierbei werden die Allergene in die Haut des Hundes an der seitlichen Brustwand injiziert und das Ergebnis ist nach 10 bis 30 Minuten sichtbar.

Wie wird Atopie behandelt?

Die Atopie ist eine chronische Erkrankung, die zwar behandelbar, aber nicht heilbar ist. Bei der Behandlung von Atopie unterscheidet man die ursächliche und die symptomatische Therapie. Die ursächliche Therapie versucht die Allergenbelastung zu reduzieren und die Überempfindlichkeitsreaktion gegen Allergene zu verringern. Die Behandlung der Symptome richtet sich gegen Juckreiz und Sekundärinfektionen mit Bakterien oder/und Hefepilzen.

Abb. 4: Veränderungen durch chronische Lecken

Abb. 4: Veränderungen durch chronische Lecken

Ursächliche Therapie:

Idealerweise würde man die auslösenden Allergene vollständig vermeiden. Dies ist jedoch nicht möglich, da z.B. Pollen mit der Luft kilometerweit verteilt werden können und es unmöglich ist, eine hausstaubfreie Umgebung zu schaffen. Trotzdem gibt es Möglichkeiten, die Allergenbelastung durch entsprechende Maßnahmen zu vermindern.Die Immuntherapie oder auch Hyposensibilisierung ist das Mittel der Wahl zur Behandlung der atopischen Dermatitis. Das Prinzip beruht darauf, dem Tier die Allergene, auf die es allergisch reagiert inform von Injektionen immer wieder zu verabreichen und so die Reaktionslage von überempfindlich auf tolerant zu verändern. Die Erfolgsquote liegt zwischen 50-80% der behandelten Tiere. Der Erfolg der Therapie kann sich nach 2-3 Monaten einstellen, bei einigen Tieren dauert es bis zu 9 Monaten. Ist die Immuntherapie erfolgreich, sollte sie lebenslang weitergeführt werden. Die Injektionen werden meistens durch den Besitzer durchgeführt. Da es einige Zeit dauern kann, bis die Hyposensibilisierung ihre volle Wirkung entfaltet, wird die Immuntherapie nach Bedarf durch eine symptomatische Therapie ergänzt.

Abb. 5: Ohrenentzündung durch Atopie

Abb. 5: Ohrenentzündung durch Atopie

Symptomatische Therapie:

Die symptomatische Therapie bekämpft den Juckreiz und Sekundärinfektionen. Zur Juckreizbekämpfung werden Antihistaminika, essentielle Fettsäuren, spezielle Shampoos und Cyclosporin eingesetzt. Durch die Kombination mehrerer Medikamente kann man eine Potenzierung der Wirkung erreichen und in vielen Fällen cortisonhaltige Wirkstoffe vermeiden. Cortisonhaltige Medikamente sollten nur dann eingesetzt werden, wenn sich alle anderen Medikamente als wirkungslos erwiesen haben. Durch atopische Dermatitis werden die befallenen Tiere empfindlicher gegen Infektionen mit Bakterien (meist Staphylokokken) oder Hefepilze (meist Malassezia-Hefen). Durch eine zytologische Untersuchung (Hautabstrich) können Sekundärinfektionen sofort nachgewiesen werden und eine entsprechende Behandlung eingeleitet werden.

Kontaktallergie

Auch genannt: Kontaktdermatitis, Kontakt-Hypersensitivität, Kontaktekzem

Was ist Kontaktallergie?

Die Kontaktallergie ist eine seltene, juckende Hauterkrankung, die vor allem haarlose Hautbereiche betrifft. Es handelt sich um eine immunologische Reaktion, bei dem das Kontaktallergen in die Haut eindringt und eine allergische Kettenreaktion auslöst.

Abb. 1: Kontaktallergie an Lefzen

Abb. 1: Kontaktallergie an Lefzen

Wie sieht eine Kontaktallergie aus?

Ähnlich wie bei anderen allergischen Reaktionen sieht man Hautrötung, kleine Hauterhebungen, flächige Schwellung der Haut, Krusten oder kleine Geschwüre. Man findet diese Veränderungen dort, wo die Haut in Kontakt mit dem Allergen gekommen ist: Lefzen (Abb.1), Hoden oder Pfoten.

Wie wird sie diagnostiziert?

Die Diagnose wird durch die klinischen Symptome des Tieres und einen entsprechenden Vorbericht gestellt. In manchen Fällen gibt auch eine Hautbiopsie den endgültigen Hinweis zur Diagnose. Letztlich wird die Verbesserung der Symptome durch Allergenvermeidung und das Wiederauftreten der Beschwerden nach erneutem Kontakt die Diagnose sichern.

Wie wird sie behandelt?

Optimalerweise wird man das auslösende Allergen vermeiden. Wenn dies nicht möglich ist, kommen entzündungshemmende und juckreizstillende Medikamente zum Einsatz.